VIN entschlüsseln: Die Fahrgestellnummer Stelle für Stelle erklärt

Eine VIN hat 17 Stellen, und jede davon hat eine Bedeutung. Dieser Leitfaden geht den Code Stelle für Stelle durch – wer das Fahrzeug gebaut hat, wann und wo – und zeigt, wie Sie damit auf Anhieb das richtige Teil bestellen.

Die Vehicle Identification Number, im Deutschen Fahrzeug-Identifizierungsnummer oder kurz Fahrgestellnummer, ist für ein Auto das, was einer Passnummer am nächsten kommt. Sie ist in die Karosserie eingeschlagen, auf einem Schild aufgedruckt, in den Zulassungspapieren eingetragen und in den Steuergeräten gespeichert. Werkstätten, Versicherer, Zollbeamte und Teilekataloge stützen sich gleichermaßen auf sie.

Für alle, die Teile ein- oder verkaufen, zählt die VIN vor allem aus einem Grund: Nur mit ihr lässt sich zuverlässig feststellen, welches von mehreren infrage kommenden Teilen ein bestimmtes Fahrzeug braucht. Modellbezeichnung und Baujahr grenzen die Auswahl ein. Die VIN beendet das Rätselraten.

17Stellen hat jede VIN
3Abschnitte: WMI, VDS, VIS
30Jahre, bis sich ein Jahrescode wiederholt
I, O, QNie verwendete Buchstaben

1. Was eine VIN ist und wo sie zu finden ist

Die heutige 17-stellige VIN ist seit dem Modelljahr 1981 Standard und in den internationalen Normen ISO 3779 und ISO 3780 festgelegt. Sie besteht aus Ziffern und Großbuchstaben, mit drei Ausnahmen: Die Buchstaben I, O und Q werden nie verwendet, weil sie zu leicht mit 1 und 0 verwechselt werden. Wenn Sie meinen, einen davon zu erkennen, sehen Sie noch einmal genau hin.

Fahrzeuge, die vor 1981 gebaut wurden, haben kürzere VINs in herstellerspezifischen Formaten; mit den folgenden Regeln lassen sie sich nicht entschlüsseln.

Die VIN ist an mehreren Orten zu finden:

  • Unten an der Windschutzscheibe auf der Fahrerseite, von außen ablesbar.
  • Auf einem Aufkleber oder Schild im Türausschnitt der Fahrertür oder an der Türsäule.
  • In die Karosserie eingeschlagen – meist an der Stirnwand, am rechten Federbeindom oder im Bodenblech unter dem Vordersitz.
  • In der Zulassungsbescheinigung, in den Versicherungsunterlagen und im Serviceheft.
  • In der Fahrzeugelektronik, wo sie sich mit einem Diagnosegerät auslesen lässt.

Weichen die VIN in den Papieren und die VIN an der Karosserie voneinander ab, klären Sie zuerst die Ursache, bevor Sie irgendetwas bestellen.

2. Der Aufbau: drei Abschnitte, 17 Stellen

StelleAbschnittBedeutung
1-3WMI – Welt-Herstellerkennung (World Manufacturer Identifier)Land oder Region sowie Hersteller.
4-8VDS – Fahrzeugbeschreibung (Vehicle Descriptor Section)Baureihe, Karosserieform, Motor, Rückhaltesystem. Die Codierung legt jeder Hersteller selbst fest.
9PrüfzifferEin berechnetes Zeichen, mit dem sich die VIN auf Gültigkeit prüfen lässt. In Nordamerika vorgeschrieben.
10ModelljahrEin Zeichen aus einer festen Tabelle.
11WerkDas Montagewerk, vom Hersteller codiert.
12-17SeriennummerDie fortlaufende Produktionsnummer dieses Fahrzeugs.

Die Stellen 10 bis 17 bilden zusammen den VIS (Vehicle Identifier Section), den Abschnitt zur Fahrzeugidentifizierung. Der gesamte Code ist so angelegt, dass innerhalb von 30 Jahren keine zwei Fahrzeuge dieselbe VIN tragen.

3. Stellen 1–3: Wer das Fahrzeug gebaut hat und wo

Das erste Zeichen steht für die Region oder das Land. Die ersten drei zusammen kennzeichnen den Hersteller.

Erstes ZeichenRegion oder Land
1, 4, 5USA
2Kanada
3Mexiko
9Brasilien
JJapan
KSüdkorea
LChina
MIndien, Indonesien, Thailand
SVereinigtes Königreich
VFrankreich, Spanien
WDeutschland
XRussland
YSchweden, Finnland
ZItalien

Einige Herstellercodes, die Ihnen besonders häufig begegnen werden:

WMIHerstellerWMIHersteller
WVWVolkswagenJTD, JTE, JTMToyota
WAUAudiJN1Nissan
WBABMWJHMHonda
WDB, WDD, W1KMercedes-BenzJM1, JMZMazda
WP0PorscheJF1Subaru
VF1RenaultKMHHyundai
VF3PeugeotKNA, KNDKia
VF7Citroen1FA, 1FTFord (USA)
ZFAFiat1G1Chevrolet
TMBSkoda5YJ, 7SATesla
VSSSeatLVVChery
SALLand RoverLGWGreat Wall / Haval
SAJJaguarLB3, L6TGeely
YV1VolvoLS5Changan
XTALadaLSJMG (SAIC)

Wichtig: Der WMI gibt an, wo ein Fahrzeug gebaut wurde, nicht woher die Marke stammt. Ein in Mexiko gebauter Volkswagen beginnt mit 3VW, ein in der Slowakei gebauter Kia mit U5Y, ein in der Türkei gebauter Toyota mit NMT. Für die Teilebestellung ist das von Belang: Fahrzeuge aus unterschiedlichen Werken können sich in der Spezifikation unterscheiden.

Sehr kleine Hersteller teilen sich einen WMI. Bei ihnen ist das dritte Zeichen eine 9, und die Stellen 12 bis 14 kennzeichnen den einzelnen Hersteller.

4. Stellen 4–8: Was für ein Fahrzeug es ist

Die fünf Zeichen des VDS enthalten die technische Beschreibung: Baureihe, Karosserieform, Motortyp, Getriebe, Rückhaltesysteme. Eine allgemeingültige Tabelle für diesen Abschnitt gibt es nicht – jeder Hersteller legt seine eigene fest und ändert sie von einer Modellgeneration zur nächsten.

Für einen Teilekatalog ist dies der wichtigste Abschnitt. Er unterscheidet den 1,6-Liter-Benziner mit Schrägheck vom 2,0-Liter-Diesel-Kombi desselben Modells und Baujahrs – und damit die eine Bremsscheibengröße von der anderen. Er ist auch der Grund, warum allgemeine kostenlose VIN-Decoder oft nur Hersteller und Jahr ausgeben: Ohne die Tabellen des jeweiligen Herstellers lässt sich der Mittelteil der VIN nicht lesen.

5. Stelle 10: Die Modelljahr-Tabelle

Das zehnte Zeichen codiert das Modelljahr über eine feste Abfolge von Buchstaben und Ziffern. Die Abfolge läuft über 30 Jahre und beginnt dann von vorn; jeder Code steht also für zwei mögliche Jahre, die drei Jahrzehnte auseinanderliegen.

CodeModelljahrCodeModelljahr
A1980 / 2010S1995 / 2025
B1981 / 2011T1996 / 2026
C1982 / 2012V1997 / 2027
D1983 / 2013W1998 / 2028
E1984 / 2014X1999 / 2029
F1985 / 2015Y2000 / 2030
G1986 / 201612001 / 2031
H1987 / 201722002 / 2032
J1988 / 201832003 / 2033
K1989 / 201942004 / 2034
L1990 / 202052005 / 2035
M1991 / 202162006 / 2036
N1992 / 202272007 / 2037
P1993 / 202382008 / 2038
R1994 / 202492009 / 2039

Die Buchstaben I, O, Q, U und Z sowie die Ziffer 0 werden für das Jahr nicht verwendet. Welches der beiden möglichen Jahre zutrifft, zeigt ein Blick auf das Fahrzeug: Ein Auto mit dem Code F ist erkennbar entweder ein Modell von 1985 oder eines von 2015.

Zwei Dinge sind zu beachten. Erstens ist das Modelljahr nicht das Kalenderjahr der Produktion – ein im Herbst 2025 gebautes Auto gehört oft schon zum Modelljahr 2026 und trägt den Code T. Zweitens ist der Jahrescode in Nordamerika vorgeschrieben, aber nicht überall. Manche Hersteller nutzen die Stelle 10 bei Fahrzeugen für andere Märkte nicht für das Jahr; bei Fahrzeugen für den europäischen Markt sollten Sie das Jahr daher anhand der Zulassungspapiere prüfen.

6. Stelle 9: So funktioniert die Prüfziffer

Anhand des neunten Zeichens kann ein Computer eine falsch eingegebene VIN erkennen. Es wird aus den übrigen sechzehn Zeichen berechnet; ist eines davon falsch, stimmt die Prüfziffer nicht mehr. Das Verfahren besteht aus drei Schritten.

Schritt 1: Buchstaben in Zahlen umwandeln. Ziffern behalten ihren Wert. Buchstaben werden nach dieser Tabelle umgerechnet:

Wert123456789
BuchstabenA, JB, K, SC, L, TD, M, UE, N, VF, WG, P, XH, YR, Z

Schritt 2: Jeden Wert mit dem Gewicht seiner Stelle multiplizieren. Die Gewichte für die Stellen 1 bis 17 lauten: 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2, 10, 0, 9, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2. Die Stelle 9 hat das Gewicht 0, weil sie selbst die Prüfziffer ist.

Schritt 3: Die Produkte addieren und durch 11 teilen. Der Rest ist die Prüfziffer. Ein Rest von 10 wird als X geschrieben.

Rechenbeispiel mit der Lehrbuch-VIN 1M8GDM9AXKP042788: Die gewichteten Produkte lauten 8, 28, 48, 35, 16, 12, 18, 10, 0, 18, 56, 0, 24, 10, 28, 24 und 16, in der Summe 351. Teilt man 351 durch 11, bleibt ein Rest von 10; die Prüfziffer ist also X – genau das Zeichen an Stelle 9.

Vorgeschrieben ist die Prüfziffer bei Fahrzeugen für den nordamerikanischen Markt. Viele VINs für andere Märkte tragen an Stelle 9 ein Zeichen, das keine gültige Prüfziffer ist. Geht die Rechnung bei einem Fahrzeug für den europäischen oder asiatischen Markt nicht auf, heißt das für sich genommen also nicht, dass die VIN falsch ist.

7. Stellen 11–17: Werk und Seriennummer

Die Stelle 11 bezeichnet das Montagewerk mit einem vom Hersteller vergebenen Code. Die Stellen 12 bis 17 bilden die fortlaufende Produktionsnummer.

Die Seriennummer ist nützlicher, als sie aussieht. In Teilekatalogen heißt es häufig, ein Teil gelte „bis“ oder „ab“ einer bestimmten Fahrgestellnummer – das markiert den Punkt, an dem das Werk mitten im Modelljahr eine Konstruktion geändert hat. Zeigt ein Katalog zwei mögliche Teile mit einer Abgrenzung nach Fahrgestellnummer, entscheiden die letzten Zeichen der VIN, welches das richtige ist.

8. Mit der VIN das richtige Teil bestellen

Teilenummern enthält die VIN nicht. Sie öffnet aber den elektronischen Teilekatalog des Herstellers für genau ein Fahrzeug – jede Ausstattungsoption und jede Änderung im laufenden Modelljahr ist dann bereits herausgefiltert. In der Praxis gehen Sie so vor:

1. Lesen Sie die VIN am Fahrzeug ab, nicht aus dem Gedächtnis und nicht aus einer früheren Bestellung. Fotografieren Sie sie.
2. Nennen Sie sie an der Teiletheke eines Vertragshändlers oder geben Sie sie in einen Katalogdienst für die jeweilige Marke ein.
3. Öffnen Sie die Zeichnung der benötigten Baugruppe und lesen Sie die OE-Nummer des Teils ab.
4. Suchen Sie nach der OE-Nummer, um Originalteile und gleichwertige Angebote zu vergleichen.

Schritt 3 liefert die Nummer, von der alles Weitere abhängt. Wie diese Nummern bei den einzelnen Marken aufgebaut sind – und wie man sie schreibt, damit eine Suche sie findet –, erläutert der Beitrag OE-Nummer (OEM-Teilenummer) finden und lesen. Fahrzeuge chinesischer Hersteller, deren VINs alle mit L beginnen, folgen einer eigenen Nummernlogik; sie wird im Beitrag Ersatzteile für chinesische Automarken erklärt.

Wenn Sie bei einem Lieferanten ein Angebot anfragen, schicken Sie OE-Nummer und VIN mit. Ein guter Lieferant gleicht beides miteinander ab, und Sie kostet es nichts.

Nach OE-Nummer suchen

9. Häufig gestellte Fragen

Was bedeuten die 17 Stellen einer VIN?

Die Stellen 1 bis 3 kennzeichnen Hersteller und Land (WMI). Die Stellen 4 bis 8 beschreiben das Fahrzeug: Modell, Karosserie, Motor. Die Stelle 9 ist eine Prüfziffer. Die Stelle 10 gibt das Modelljahr an, die Stelle 11 das Montagewerk, die Stellen 12 bis 17 die Seriennummer.

Welche Buchstaben kommen in einer VIN nie vor?

Die Buchstaben I, O und Q werden an keiner Stelle einer VIN verwendet, weil sie mit den Ziffern 1 und 0 verwechselt werden können. An der Stelle für das Modelljahr entfallen zusätzlich die Buchstaben U und Z sowie die Ziffer 0.

Gibt das 10. Zeichen der VIN immer das Jahr an?

Bei Fahrzeugen für Nordamerika ja; dort ist der Modelljahrcode vorgeschrieben. Anderswo ist er weit verbreitet, aber nicht durchgängig üblich, und manche Hersteller nutzen die Stelle 10 für andere Märkte anders. Prüfen Sie das Jahr im Zweifel anhand der Zulassungspapiere.

Lässt sich über die VIN eine Teilenummer ermitteln?

Nicht direkt – die VIN enthält keine Teilenummern. Ein Vertragshändler oder ein elektronischer Teilekatalog ruft mit der VIN aber die exakte Teilezeichnung für dieses Fahrzeug auf, aus der sich die OE-Nummer jedes Teils ablesen lässt.

Warum fällt meine VIN bei der Prüfziffernkontrolle durch?

Die Prüfziffer an Stelle 9 ist nur für den nordamerikanischen Markt vorgeschrieben. Fahrzeuge für andere Märkte tragen dort oft ein anderes Zeichen; eine Rechnung, die nicht aufgeht, beweist also nicht, dass die VIN falsch ist. Bei einem Fahrzeug für Nordamerika deutet eine fehlgeschlagene Prüfung meist auf einen Tippfehler hin.

Warum hat meine VIN weniger als 17 Stellen?

Das 17-stellige Format wurde mit dem Modelljahr 1981 zum Standard. Ältere Fahrzeuge haben kürzere, herstellerspezifische Nummern, die nicht dem heutigen Aufbau folgen.

Können zwei Autos dieselbe VIN haben?

Nein. Das System ist so angelegt, dass sich eine VIN innerhalb von 30 Jahren nicht wiederholt. Tragen zwei Fahrzeuge dieselbe VIN, deutet das auf einen Erfassungsfehler oder auf Betrug hin.

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